Informationelle Selbstbestimmung im Internet mit Firefox, NoScript, JAP/JonDo, Tor, GPG/PGP und Mixminion

Jens Lechtenbörger

Zuletzt inhaltlich aktualisiert am 30. Mai 2009

Das Grundrecht auf ↑informationelle Selbstbestimmung erlaubt ↑Alice und Bob (dies sind beliebte Namen für Sie und mich, wenn es um Internet-Kommunikation geht, insbesondere unter Verwendung kryptographischer Verfahren), selbst zu bestimmen, welche personenbezogenen Daten sie zu welchen Zwecken weitergeben. Im ↑Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahre 1983 haben beide nachgelesen, dass und warum informationelle Selbstbestimmung wichtig ist. Die Aufgabe des ↑Datenschutzes ist es, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung durchzusetzen. Zum ↑Selbstdatenschutz im Internet zählen Maßnahmen, die Alice und Bob einsetzen, um den Risiken des Datenmissbrauchs im Internet durch aktive Kontrollmechanismen zu begegnen.

Zu den auf diesen Web-Seiten vorgestellten Kontrollmechanismen gehören die Grundsicherung des eigenen PCs, der Einsatz von Anonymisierungstechniken im Web und der Einsatz von Verschlüsselungs- und Anonymisierungssoftware für E-Mail.

Im Internet ist informationelle Selbstbestimmung schwierig, weil allen gesetzlichen Datenschutzvorschriften zum Trotz nicht klar ist, wer wann wo Zugriff auf welche Daten erhält und wer wann was zu welchem Zweck über wen speichert. Denken Sie an jüngere Skandale wie ↑Missbrauch von Kontodaten bei Callcentern, ↑der Verlust von Kreditkartendaten bei der Landesbank Berlin, die Spitzelaffären bei ↑Bahn und ↑Telekom und stellen Sie sich dann vor, was nach Aufbau gesetzlich legitimierter Datensammlungen durch ↑Vorratsdatenspeicherung, ↑Gesundheitskarte oder die ↑anvisierte Surfprotokollierung möglich wird.

Auf diesen Web-Seiten soll gezeigt werden, wie Alice und Bob ein Stück Kontrolle über die eigenen Daten im Internet gewinnen können. Die hier vorgestellten Techniken wirken als Schutz vor Dritten, einerseits um deren unkontrollierten Zugriff auf den eigenen Rechner und andererseits deren Sammlung von Kommunikationsdaten zu erschweren. Dabei spielt es keine Rolle, welche Interessen diese Dritten verfolgen — sowohl der Identitätsdiebstahl durch Kriminelle als auch die Profilbildung durch staatliche Stellen werden erschwert. Bemerkenswert ist, dass aus Sicht der IT-Sicherheit gewöhnliche Angriffe mit kriminellem Hintergrund von solchen mit staatlicher Legitimation sowieso nicht unterschieden werden können, da sich die eingesetzten Techniken gleichen: Zum einen ist der Bundestrojaner in erster Linie Schadsoftware, wie sie tausendfach von Kriminellen eingesetzt wird, um beispielsweise Passwörter und Kreditkarteninformationen zu stehlen. Zum anderen stellt die europaweit anvisierte ↑Vorratsspeicherung von Verbindungsdaten in der Telekommunikation einen Angriff auf die Vertraulichkeit von Kommunikationsdaten dar, der bei konsequentem Einsatz von Verschlüsselungs- und Anonymisierungstechniken ins Leere läuft.

Auf diesen Web-Seiten werden ausgehend von technischen Überwachungsmöglichkeiten und Identifikationsmerkmalen im Internet sowie resultierenden Risiken mögliche Maßnahmen der informationellen Selbstbestimmung bzw. des Selbstdatenschutzes erläutert. Hier geht es zunächst um generelle Techniken zur Grundsicherung des eigenen PCs. Im Anschluss stehen Projekte zur Anonymität im Internet in den Bereichen Web (↑JAP und ↑Tor) und E-Mail (↑Mixminion) im Fokus. Kritische Überlegungen zu Vorratsdatenspeicherung und Internet-Sperren schließen sich an. Weiterführende Verweise runden die Darstellung ab.

Ich wünsche neue Erkenntnisse und freue mich auf Feedback!